Deutsche Kolonien nach 1945
Nach dem endgültigen Zusammenbruch 1945 hatte Deutschland zunächst genug damit zu tun, das in Trümmern liegende Land wieder aufzubauen und ihm allmählich wieder zu einem gewissen Wohlstand zu verhelfen. Auch später war der Gedanke an eine Expansionspolitik völlig aus den Köpfen der Deutschen verschwunden; jedoch hielt man sich von den „exotischen“ Ländern nicht fern, sondern leistet seither, wie übrigens der größte Teil der Industrienationen, reichlich Entwicklungshilfe. Dass dies zumindest von einigen Staaten nicht ganz selbstlos geschieht, ändert nichts daran, dass die fernen Länder ihre Eigenständigkeit behalten und keineswegs als Kolonien anzusehen sind.
Später widmete man sich zudem verstärkt der Wissenschaft. Besonders in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entsandte Deutschland Forschungsschiffe in die Polarregionen, hier vor allem in die Antarktis, da man sich von den extremen Bedingungen dort wichtige Erkenntnisse versprach. So gelangt man tatsächlich zu immer neuen Einblicken in die Bereiche Astrophysik, Klimatologie, Ozeanographie und selbstverständlich in die Glaziologie.
Das Südpolargebiet stellt einen eigenständigen Kontinent dar, der allerdings laut Antarktis-Vertrag von 1961 lediglich zu Forschungszwecken genutzt werden darf. Jegliche wirtschaftliche Verwertung oder gar territoriale Ansprüche sind untersagt. So haben sich im Lauf der Jahrzehnte verschiedene Nationen dort angesiedelt und bleiben teilweise das ganze Jahr über. Während einige Länder inzwischen richtig komfortable Anlagen für ihre Mitarbeiter gebaut haben, sind die der Deutschen eher schlicht ausgestattet und auf das Nötigste beschränkt.
Es handelt sich um große, auf Stelzen stehende oder in Röhren eingebaute Container mit perfekten Labors und einfachen Wohn-, Schlaf- und Sanitärräumen. Durch die allmähliche globale Erwärmung sinken diese Bauten nach und nach ein und müssen daher immer weiter ins Landesinnere verlegt werden.
1981 war die Georg-von-Niemeyer-Station die erste deutsche Forschungsstation in der Antarktis. Sie liegt auf dem Ekström-Schelfeis nur sieben Kilometer von der Eiskante entfernt und wurde inzwischen durch eine neue ersetzt, die weniger Risiken durch Eisabbruch birgt. Diese Station ist ganzjährig besetzt.
Bei der Drescher-Station (seit 1986) handelt es sich dagegen um einen mobilen Komplex, der nur bei Bedarf errichtet wird. Hier erforscht man vor allem die Kaiserpinguine und die Weddelrobben. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen arbeiten gemeinsam, und die Drescher-Station zeichnet sich überdies dadurch aus, dass sich Untersuchungen an Land und vom Schiff aus vortrefflich ergänzen.
Die Kohnen-Station schließlich befindet sich in der Antarktis im Königin-Maud-Land und entstand 2001 aus der 1982 errichteten Filchner-Station. Sie dient hauptsächlich logistischen Zwecken beim EPICA, einem europäischen Tiefeisbohrprojekt.
Seit 1991 gibt es auch im Nordpolargebiet eine deutsche Forschungsstation: die Koldewey-Station an der Westküste von Spitzbergen. Sie besteht aus richtigen Wohngebäuden. Zusammen mit französischen Wissenschaftlern widmet man sich hier vor allem stratosphärischen Untersuchungen. In den Sommermonaten stellt auch die Meeresbiologie einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt dar.
Ein Kuriosum in der deutschen Kolonialgeschichte stellt die Ernst-Thälmann-Insel vor Kuba dar, etwa 25 km westlich der legendären Schweinebucht, dar. Bei einem Staatsbesuch in der DDR überreichte Fidel Castro 1972 dem deutschen Erich Honecker eine Landkarte, in der diese Insel (mit dem DDR-Strand) eingezeichnet war. Kurz darauf enthüllte man in der Karibik eine Thälmann-Büste. Seither darf niemand mehr die Insel betreten, weil sie sich im militärischen Sperrgebiet befindet. Sie ist vermutlich ohnehin 1998 bei einem Hurrikan zerstört worden.
Castro hatte keineswegs die Absicht gehabt, der DDR diese Insel zu schenken, sondern die Taufe war lediglich als symbolischer Akt zu verstehen. Daher ist es auch illusorisch anzunehmen, dass „uns“ jetzt, nach 1989 also, eine Karibik-Insel gehören könnte.
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Aktualisiert (Dienstag, den 04. Januar 2011 um 19:49 Uhr)

Nach 1945