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Start Vor der Zeit des Kaiserreichs Brandenburgisch-Preußische Kolonien

Brandenburgisch-Preußische Kolonien

 

 

Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, war ein liberaler und zugleich innovativer Herrscher. So gewährte er den in Frankreich verfolgten Hugenotten nicht nur eine Art Asyl, sondern integrierte sie auch vollkommen in die Gesellschaft – nicht zuletzt allerdings aus eigennützigen Gründen, denn es handelte sich um einen sehr gebildeten und kompetenten Personenkreis.

 

Im Umgang mit der afrikanischen Urbevölkerung war Friedrich Wilhelm jedoch weniger umgänglich. Für sein Land wollte er am großen Kuchen der Erträge aus überseeischen Kolonien teilhaben und ließ 1682 eine Flotte zum heutigen Ghana aufbrechen. Das Risiko dabei hatte er geschickt auf die kurz zuvor gegründete Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie abgewälzt, während er selbst lediglich die Schiffbesatzungen und die Fahne stellte.

 

Unmittelbar nach der Landung begannen die Besatzungsmitglieder damit, sich die Afrikaner untertan zu machen. Mit den dortigen Häuptlingen wurde ausgehandelt, dass man sie vor Übergriffen benachbarter Stämme schützen wollte. Im Gegenzug hatten sie wahre Frondienste zu leisten und beim Bau der Festung Groß Friedrichsburg tatkräftig mitzuwirken. Zugleich mussten die Afrikaner den Abbau von Bodenschätzen bewerkstelligen und insgesamt dazu beitragen, dass die begehrten exotischen Produkte an Bord der brandenburgschen Schiffe gelangten.

 

Dazu zählten selbstverständlich – und in vergleichsweise hohem Maß – auch die Sklaven selbst, die skrupellos in die Karibik und die USA verkauft wurden. Genau zu diesem Zweck hatte Friedrich Wilhelm St. Thomas von den Dänen gepachtet.

 

Gut zehn Jahre lang florierte der Kolonialhandel trotz teils korrupter Siedler so gut, dass der Große Kurfürst schließlich die Investoren abfinden und alleiniger Eigentümer der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie werden konnte. Erst ab 1695 setzte der allmähliche Niedergang ein. Er lag darin begründet, dass es im Mutterland weder ausreichend Möglichkeiten gab, die Waren weiterzuverarbeiten, noch eine entsprechend wohlhabende Bevölkerung, die sie hätte kaufen können.

 

Zudem war die zwar bedeutende, aber doch eher kleine Flotte der Brandenburger leichte Beute für die rivalisierenden Seefahrernationen; denn wegen der insgesamt dünnen Finanzdecke fehlte es an Ausrüstungsgegenständen, insbesondere zur Verteidigung: Viele Schiffe wurden gekapert, was immense Verluste für das Mutterland zur Folge hatte.

 

Der Nachfolger des Großen Kurfürsten, sein Sohn und späterer König Friedrich I. in Preußen, war ein  eher schwacher Herrscher und konnte sich weder dazu entschließen, die Aktivitäten seines Vaters in Afrika fortzuführen, noch, sie zu beenden. Die Folge: Die einst so stolze kurbrandenburgische Flotte verkam allmählich, und die ehemals einträglichen Kolonien blieben sich selbst überlassen. Immerhin konnte er sich dazu durchringen, 1711 den Bankrott der Siedlungen in Afrika zu erklären.

 

Es sollte jedoch noch weitere neun Jahre dauern, bis sich Brandenburg – jetzt unter dem Enkel des Großen Kurfürsten, dem König Friedrich Wilhelm I.. - endgültig davon trennte. Dem als „Soldatenkönig“ in die Geschichte eingegangenen Monarchen lag ohnehin nicht viel an den überseeischen Kolonien. Er verkaufte sie an die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie und konzentrierte sich in der Heimat auf die Organisation eines schlagkräftigen Heeres.

 

Dennoch war das Wirken der Deutschen noch bis 1724 in der afrikanischen Küstenregion spürbar. Denn der letzte Statthalter hatte 1716 die Machtbefugnisse dem einheimischen Jan Conny übertragen, bevor er in die Heimat zurückkehrte. Der Afrikaner lebte sehr einträglich vom Handel mit Schiffen unterschiedlichster Nationen und wollte zunächst den Kaufvertrag nicht anerkennen. Einmal gelang es ihm, die Niederländer in die Flucht zu schlagen, bevor er 1724 kapitulieren musste. Leider kümmerten sich die neuen Machthaber so gut wie gar nicht um ihr neues Besitztum, auch wenn sie es vollmundig „Hollandia“ getauft hatten.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand man im ehemaligen Groß-Friedrichsburg zwei deutsche Kanonen, die heute in Emden, dem Sitz der früheren Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie und einer Werft des Großen Kurfürsten, stehen und an die Zeit der Kolonien erinnern sollen. Außerdem wurden 1979 dieses und andere Forts zum Weltkulturebe der UNESCO erklärt.

 

 

 

 

 

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Aktualisiert (Dienstag, den 04. Januar 2011 um 19:52 Uhr)

 
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