Die Welser Kolonie
Der spanische König Karl V. hatte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts zur Wahl zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gestellt, die er dank der kräftigen - vor allem finanziellen - Unterstützung durch die Fugger und die Welser auch gewann. Als Kaiser Karl V. war er jedoch nicht in der Lage, auch nur Bruchteile des Darlehens zurückzuzahlen.
Die Welser als europaweit agierendes Handelshaus waren schon lange auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. So schlugen sie dem neuen Kaiser vor, ihnen Teile von Venezuela zu überlassen, anstatt das Darlehen zu tilgen. Denn Spanien als eine der damals führenden Seefahrernationen hatte schon früh damit begonnen, überseeische Ländereien zu erobern, so auch Teile des heutigen Venezuela. Für Karl V. bedeutete dieser Deal nicht nur eine enorme finanzielle Erleichterung, sondern schien ihm auch die Möglichkeit zu bieten, die dortigen Kolonien ohne großes eigenes Engagement zu erschließen und voranzutreiben.
Der entsprechende Vertrag wurde am 27. März 1528 in Madrid geschlossen. Er verpflichtete die Welser nicht nur zum Bau und zur Ausrüstung der Flotte, sondern auch zur Gründung von mindestens zwei Städten und drei Forts – mit entsprechender Besiedlung – an der Küste Venezuelas. Im Gegenzug durften sie einen Teil Erträge für sich behalten.
Allerdings wurden die Welser mit ihren Leuten keineswegs freundlich von der einheimischen Bevölkerung, also den Indianern und den frühen spanischen Siedlern, aufgenommen. Zugleich taten sie nichts, um das Verhältnis zu verbessern. Im Gegenteil: Sie gingen äußerst brutal zu Werke, wenn es darum ging, die Bodenschätze wie Gold und Silber, aber auch Hölzer, Farbstoffe und Perlen zu gewinnen. Zudem stellten sie fest, dass der Sklavenhandel ein sehr einträgliches Geschäft war: Sie entrissen junge, kräftige Indios ihrem Umfeld und verkauften sie.
Die Beschwerden der Einheimischen häuften sich, und auch für Karl V. waren die Aktivitäten der Statthalter in Venezuela indiskutabel. Wahrscheinlich störte er sich aber weniger an deren skrupellosem Vorgehen als daran, dass sie sich nur selbst bedienten und ihm so gut wie keine Erträge überließen.
1546 kündigte Karl V. den Vertrag, nachdem der dortige Statthalter, Phillip von Hutten, auf einer Expedition ins Landesinnere - auf der Suche übrigens nach dem sagenhaften El Dorado - von Einheimischen ermordet worden waren. Aber erst 1556 zogen sich die Welser endgültig aus Venezuela zurück, nachdem sie einen Prozess um ihre Besitzansprüche verloren hatten.
Die erste deutsche Kolonie in Übersee überdauerte demnach keine drei Jahrzehnte. Leider hat man in der Folgezeit nicht viel aus den dort begangenen Fehlern gelernt.
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Aktualisiert (Dienstag, den 04. Januar 2011 um 19:51 Uhr)
