Deutsch-Neuguinea
Heute sind die ehemals deutschen Kolonien nordwestlich von Australien unter den Sammelnamen Mikronesien und Melanesien bekannt, wobei diese Begriffe keine eigenständigen Staaten bezeichnen. Vielmehr gehören die Inseln zu verschiedenen Ländern.
Bis zum Jahr 1899 war die Kolonialisierung durch das Deutsche Reich beendet. Bismarck hatte veranlasst, dass alle Gebiete, an denen keine andere Kolonialmacht bis dahin Ansprüche angemeldet hatte, unter deutschen Schutz gestellt werden sollten. Und das waren etliche. Bereits an vielen Orten waren deutsche Siedler ansässig oder im Begriff, sich niederzulassen.
Als erstes, nämlich im November 1884, wurde das spätere Bismarck-Archipel in Besitz genommen, nach und nach folgten Kaiser-Wilhelm-Land, die nördlichen Salomonen, Palau, die Karolinen und die MariaAnen sowie Nauru und die Marshall-Inseln.
1882 hatte man die Südseekolonialgesellschaft gegründet, die später mehrfach umbenannt wurde. Bismarck erklärte den übrigen europäischen Kolonialmächten lapidar, dass die bislang erworbenen Gebiete fortan unter deutschen Schutz stünden – so einfach war das. Wahrscheinlich begehrten die anderen deshalb nicht dagegen auf, weil die Entfernungen zu den Mutterländern doch ganz beträchtlich waren, und man sich von näher bei der Heimat gelegenen Kolonien größeren Profit versprach.
Deutsch-Neuguinea als deutsche Kolonie stand jedoch unter keinem guten Stern: Viele Katastrophen suchten die Inseln heim und vernichteten landwirtschaftlich Einrichtungen. Außerdem kamen viele der wertvollen einheimischen Arbeiter ums Leben. So brach 1888 auf einer den Salomonen vorgelagerten Insel ein Vulkan aus, und wenig später folgte ein gewaltiger Tsunami. Schon drei Jahre später verbreitete sich in der Hauptstadt Finschhafen die Malaria.
1905 führte die deutsche Kolonialgesellschaft in Deutsch-Neuguinea eine Volkszählung durch, die allerdings nur vage Einschätzungen über die tatsächliche Bevölkerung gibt. Denn die gewiss beträchtliche Gruppe der aus Mischehen hervorgegangenen Personen wurde nicht berücksichtigt. Immerhin kam man zu dem Ergebnis, dass etwa 200.000 Einheimische und 1.000 Europäer (davon 700 Deutsche) dort lebten.
Bereits kurz nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde ein Teil von Deutsch-Neuguinea kampflos den Japanern übergeben, während die übrigen Inseln von Australien besetzt und schnell eingenommen wurden. Die Deutschen wurden enteignet und mussten das Land verlassen; nur wenige kehrten später zurück und verdingten sich als Goldsucher.
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Aktualisiert (Dienstag, den 04. Januar 2011 um 19:39 Uhr)
