AddThis Social Bookmark Button
Start Zur Zeit des Kaiserreichs Kamerun

Kamerun

 



Über die Jahrhunderte hinweg ist die Geschichte Kameruns geprägt von heftigen Auseinandersetzungen rivalisierender ethnischer Gruppierungen wie auch vom brutalen Vorgehen der jeweiligen Machthaber. Selbst nach seiner Unabhängigkeit kam das Land lange nicht zur Ruhe.

 

Das von Deutschland erworbene Gebiet erstreckte sich auch über Teile der umliegenden Länder. Bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts hatten Portugiesen Handelsniederlassungen im Küstenbereich gegründet und später Zuckerrohrplantagen angelegt. Aber die Gegend war auch für andere Nationen interessant. Zunächst hatten die Reisen verschiedener Forscher reinen Expeditionscharakter. Aber schnell erkannten sie den möglichen Nutzen für ihr Land.

 

So beauftragte  Bismarck im Jahr 1884 den deutschen Arzt Gustav Nachtigall damit, interessante Handelsgebiete für das Deutsche Reich zu erwerben. Wie es damals üblich war, schloss man Schutzverträge mit den Einheimischen und konnte nach und nach das gesamte Gebiet an Deutschland anschließen.

 

Selbstverständlich begehrte die afrikanische Bevölkerung immer wieder dagegen auf; aber angesichts der militärischen Stärke der Eindringlinge, die zudem rücksichtslos davon Gebrauch machten, verstummten die Proteste.

 

Die deutschen Kolonialherren überschritten vielfach ihre Kompetenzen, die ohnehin sehr weit gesteckt waren. Es gab regelrechte Skandale, die sogar den deutschen Reichstag erschütterten. So kaufte 1891 der stellvertretende Gouverneur Heinrich Leist etliche afrikanische Personen als Sklaven – der Sklavenhandel war seit 1840 offiziell abgeschafft – und übernahm die Männer für seine Schutztruppe und die Frauen als Dienerinnen im Regierungsgebäude. Diese Soldaten erhielten einen weitaus geringeren Sold als die übrigen, und die Frauen wurden schwer gezüchtigt und misshandelt.

 

Die Afrikaner begehrten gegen diese Machenschaften auf, allerdings wurde die Revolte blutig niedergeschlagen. Der Verantwortliche wurde schließlich entlassen und erhielt eine vergleichsweise milde Strafe.

 

Da sich ähnliche Zwischenfälle häuften, konnte es die Kolonie Kamerun niemals zu einem halbwegs angemessenen Wohlstand bringen. Die Aktivitäten der Deutschen beschränkten sich darauf, das Land auszubeuten, besonders durch Sklaven- und Elfenbeinhandel, und sich an den Einkünften selbst zu bereichern.

 

Die deutsche Schutztruppe war zwar gut mit Soldaten ausgestattet, allerdings zeigte sich nach 1914, dass die Munition längst nicht ausreichte, um sich gegen die Alliierten zu verteidigen. Immerhin konnte man sich noch zwei Jahre lang halten, bis schließlich im Februar 1916 die letzten Garnisonen das Land verließen – teils freiwillig, teils, um als Krieggefangene interniert zu werden.

 

Durch den Versailler Vertrag gelangte die ehemalige Kolonie Kamerun in den Besitz des Völkerbundes, der das Land wiederum unter England und Frankreich aufteilte. Die Franzosen versuchten recht erfolgreich, die Landwirtschaft – hier vor allem den Anbau von Kaffee und Kakao – zu fördern. Dabei verzichteten sie bewusst auf große Plantagen. Stattdessen überließen sie den Einheimischen kleinere Parzellen, um auch sie an den Erträgen zu beteiligen. Zugleich gewann im französischen Teil die Industrie an Bedeutung: Erdöl, Aluminium und Brauereien sorgten für bescheidenen Wohlstand.

 

Den Engländern dagegen lag nicht viel an ihrem afrikanischen Gebiet. Sie gaben ihm eine eigene Verwaltung und räumten den Einheimischen überraschend viele Rechte ein, was prinzipiell lobenswert ist. Allerdings ermöglichten sie es den kurz zuvor vertriebenen Deutschen, bei einer Auktion in London ihre ehemaligen Besitztümer zu ersteigern und sich erneut in Kamerun niederzulassen. Und das wiederum führte zu Revolten bei den Afrikanern, und der Kreis von Gewalt und Gegengewalt begann erneut, jetzt allerdings ohne den Schutz des Mutterlandes.

 

Nach seiner Unabhängigkeit 1960 war Kamerun zunächst einer brutalen Diktatur unterworfen. Erst viel später begannen Reformen, die nicht nur oppositionelle Stimmen und verschiedenen Parteien zuließen, sondern auch nach und nach mehr soziale Gerechtigkeit bewirkten.

 

 Hier finden Sie eine Reihe interessanter Bücher und DVDs zu diesem Thema.

Aktualisiert (Dienstag, den 04. Januar 2011 um 19:43 Uhr)

 
Banner - Bücher versandkostenfrei - 120x600