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Start Zur Zeit des Kaiserreichs Deutsch-Ostafrika

Deutsch-Ostafrika



Das Gebiet der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, das die heutigen Staaten Tansania, Burundi und Ruanda umfasst, galt zwar als recht vermögend, konnte aber nie zu einem angemessenen Wohlstand gelangen. Dies liegt nicht nur daran, dass der Wert der Importe dorthin den der Exporte ins deutsche Mutterland bei weitem überstieg. Sondern auch die gesamte Struktur ließ keine klare Linie erkennen: Mehr als 15 private Gesellschaften rivalisierten miteinander und versuchten, für sich den größtmöglichen Profit zu erzielen. Hinzu kommt, dass genau diese Ländereien auch von anderen Kolonialmächten begehrt wurden, und in dieser Hinsicht kam es immer wieder zu Machtkämpfen.

 

Ähnlich wie Deutsch-Südwestafrika geht auch die deutsche Kolonie im Osten des Kontinents auf die Initiative einer Einzelperson zurück. Im März 1884 hatte der Pastorensohn Carl Peters die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft gegründet mit dem Ziel, dem Deutschen Reich neue Ackerbaugründe und Handelsmöglichkeiten zu ermöglichen.

 

Noch im selben Jahr reiste er nach Sansibar und konnte mit der einheimischen Bevölkerung Verträge abschließen, die selbstverständlich einzig dazu dienten, auf dem Festland Besitzungen zu erhalten. Den Afrikanern wurde indessen weisgemacht, den Deutschen sei an deren Schutz  gelegen. Im Folgejahr ging Kaiser Wilhelm I. – wohl auf Anraten seines Kanzlers Bismarck – so weit, ein Dekret zu erlassen, dass den Deutschen vor Ort die Inbesitznahme großer Teile Ostafrikas gestattete. Selbstverständlich rief er damit den Unwillen der Regierung von Sansibar hervor, die ihrerseits Ansprüche auf das Festland geltend machte. Mit Waffengewalt konnte man sie aber zum Schweigen bringen.

 

Mit England einigte man sich dagegen friedlich über die Territorien in Ostafrika. Dass dabei die Interessen der Afrikaner völlig unberücksichtigt blieben, versteht sich fast von selbst. Vor allem die meist aus Arabern bestehende Bevölkerung im Küstengebiet, das wegen der Häfen besonders interessant und wichtig war, protestierte gegen ihre Entrechtung. Der eigens dazu aus Deutschland entsandte Offizier Hermann von Wissmann konnte diesen Aufstand aber ebenfalls niederschlagen.

 

Diese Überlegung ging bereits von Kaiser Wilhelm II. aus, der eine völlig andere Kolonialpolitik verfolgte als Bismarck; der hatte faktisch zuvor die Geschicke des Deutschen Reichs gelenkt. Der junge Kaiser wollte insgesamt den Einfluss von Carl Peters eingrenzen und schloss 1990 mit England den Helgoland-Sansibar-Vertrag ab, der nicht nur den Besitz beider Nationen an diesen Inseln regelte, sondern auch die Zuständigkeiten auf dem afrikanischen Kontinent in klare Bahnen lenkte.   

 

So war es eine logische Konsequenz, dass wenige Monate später die gesamte Kolonie Deutsch-Ostafrika dem Deutschen Reich angegliedert wurde – die offizielle Bezeichnung war indessen „Schutzgebiet“. Die eingesetzten Reichskommissare, die jeweils für einzelne Gebiete zuständig waren, zeigten sich nicht gerade wohlwollend der afrikanischen Bevölkerung gegenüber. Im Gegenteil: Dank der militärischen Überlegenheit konnten sie jedes auch nur so geringe Aufmucken bereits im Keim ersticken. Carl Peters, der für die Region um den Kilimandscharo zuständig war, musste sogar wegen allzu großer Brutalität  nach wenigen Jahren entlassen werden.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man mit der systematischen Förderung der Landwirtschaft, indem man Kautschuk- und Baumwollplantagen anlegte – prinzipiell kein schlechter Gedanke. Allerdings erhob man zugleich auch Steuern, die bar zu entrichten waren, und nötigte damit die Afrikaner zu Lohnarbeit. Wer dennoch nicht „freiwillig“ zum Gedeihen der riesigen Felder beitragen wollte, wurde kurzerhand dazu gezwungen. Leider blieb der einheimischen Bevölkerung nur ein karger Rest, nachdem sie den Pflichtbeitrag an den Staat entrichtet hatten. 

 

Es überrascht nicht, dass die Afrikaner gegen diese Maßnahmen aufbegehrten. Zwar konnten sie mit rigiden Maßnahmen – so etwa mit der durchaus erlaubten und weit verbreiteten Prügelstrafe – zunächst zur Räson gebracht werden. Aber 1905 erhoben sich die Maji-Maji und kämpften beherzt für ihre Rechte.

 

Bemerkenswert an diesem Aufstand ist die Tatsache, dass sich dieser Revolte sehr schnell auch andere ethnische Gruppierungen anschlossen; und die deutsche Regierung sah sich einer echten Bedrohung gegenüber - besonders als im August des Jahres etwa 4.000 Afrikaner die Festung von Marenge erstürmten, wo sie auf eine zahlenmäßig weit unterlegene deutsche Truppe stießen. Diese war allerdings in punkto Waffen besser ausgestattet und vernichtete die Rebellen  nahezu vollständig.

 

Nach dieser Niederlage war der Wille der Aufständischen jedoch noch längst nicht gebrochen. Im Gegenteil: Sie begannen einen echten Guerilla-Krieg, dem die Deutschen zunächst nichts entgegenzusetzen hatten. Erst ein Jahr später griffen sie zu der wohl schlechtesten aller möglichen Maßnahmen: Sie versuchten, den Rebellen ihre Existenzgrundlage zu entziehen, indem sie ganze Dörfer verbrannten, Erntevorräte vernichteten und Brunnen zuschütteten. Wahrscheinlich kamen dadurch 300.000 Afrikaner ums Leben.

 

Die Deutschen mussten jetzt zwar keine Aufstände mehr befürchten, allerdings fehlte es ihnen auch an Arbeitskräften. Außerdem hatten sie selbst unter der Hungersnot zu leiden. In dieser desolaten Situation weigerte sich der Reichstag in Deutschland, weitere Mittel zur Unterstützung bereitzustellen; das mag an dem unverzeihlich brutalen Vorgehen der Kolonialisten gelegen haben, offiziell hieß es jedoch, dass Deutsch-Ostafrika sich selbst zu finanzieren habe.

 

Immerhin hatte dieser Krieg doch die wohltuende Folge, dass anschließend die Afrikaner ein wenig menschenwürdiger behandelt wurden: Man wollte die Prügelstrafe eingrenzen und auch die medizinische Versorgung verbessern. Wenn  diese Maßnahmen auch auf heftigen Widerstand bei den deutschen Siedlern stießen, lebte man bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs halbwegs friedlich miteinander.

 

Bis 1915 konnte sich die deutsche Schutztruppe gegen Angriffe der britischen und belgischen Nachbarn zur Wehr setzen. Ab 1916 musste sie jedoch der Übermacht der Alliierten weichen und ließ sich – mit bereits stark reduzierten Truppen – in den Süden des Landes zurückdrängen. Nach einigen vergeblichenVersuchen, doch noch die Überhand zu gewinnen, kapitulierte man schließlich am 25. November 1918. Dramatische Verluste, sowohl bei den Deutschen als auch bei den Afrikanern, waren die Folge. Außerdem war nahezu das gesamte Land verwüstet.

 

Der Versailler Vertrag unterstellte das ehemalige Deutsch-Ostafrika zunächst der Verwaltung durch den Völkerbund, der es dann unter Belgien und England aufteilte. Inzwischen konnte es Tansania durch den Tourismus zu einem gewissen Wohlstand bringen. Aber Burundi und Ruanda gehören zu den ärmsten Ländern Afrikas.

 

 

 

 

 

 

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Aktualisiert (Dienstag, den 04. Januar 2011 um 19:47 Uhr)

 
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